Wenn es in der Grube messelt und Urpferdchen trappelnd…

das Weite suchen, dann, ja dann ist das UNESCO Weltkulturerbe „Grube Messel“ Ziel eines Institutsausfluges.

Wir als nichtwissenschaftliches Personal dürfen da auch mit und da ich bisher nur die Funde in den verschiedensten Museen gesehen hatte, nahm ich diese Gelegenheit selbstverständlich wahr.
Vorallem weil sich an die Besichtigung eine Wanderung anschliessen sollte, in deren näheren Umgebung rein zufällig ein paar kleine Dosen versteckt lagen.

Urpferdchen

Doch zuerst mal ab in die Grube. Da uns vor der Fahrt eingeprägt worden war, dass man nur mit Wanderschuhen oder vergleichbarem Schuhwerk Einlass finden würde, stellte ich mir natürlich eine wildromantische Location vor, wo an den Steilwänden die Forscher mit ihrem Hämmerchen die Fossilien aus der Wand klopften!
Doch weit gefehlt, von Forschern oder Ausgrabungen keine Spur; die Grube an sich eine leicht mit Büschen, Gras und einigen niederen Bäumen bewachsene Grube, Senke …; ein paar Baucontainer stehen verstreut herum.
Die Führung war interessant, gab sich der Guide doch alle Mühe, uns die Entstehung der Grube als Maarvulkan durch Zeichnungen auf der betonierten Zufahrt bildlich verständlich zu machen.
Leider konnte auch er nicht mit spekatkulären Funden aufwarten; denn wegen der besonderen Eigenschaften des Ölschiefers ist es schlichtweg unmöglich, Funde unpräpariert zu präsentieren.
So liegen das Messeler Urpferdchen, die Krokodile, Vögel, Fische, Schildkröten, Frösche und Fledermäuse einträchtig neben Affen, geflügelten Riesenameisen und Käfern in den Vitrinen der verschiedensten europäischen Museen; aber eben nicht in der Grube Messel.
Brütende Hitze lag über der Grube, als wir sie gegen Mittag durchschritten; da bot der Brunnen in der Mitte eine willkommene Abwechslung, auch wenn das Wasser sehr eisenhaltig schmeckte und einem ein leichter Schwefelgeruch in die Nase stieg. Sollte es tief unter der Grube etwa doch noch brodeln???
Nach den neuesten Forschungen ist man sich jetzt ziemlich sicher, dass die Grube ein eingestürzter Maar-Vulkan ist; also ein unterirdisch explodierter Vulkan, dessen Magma bei Berührung mit dem Grundwasser zur Explosion führte, so dass an der Oberfläche

Brunnen mit Grundwasser

keinerlei vulkanische Spuren zu finden sind. Danach habe sich die Grube mit dem reichlich vorhandenen Grundwasser aufgefüllt; diente in dem damalig hier herrschenden Urwald – wir sprechen von einer Zeit von vor 44 Mio. Jahren – als Wasserstelle und – wie gemein – hin und wieder stiess der See giftige Dämpfe aus, so dass die gerade anwesenden Tiere vergiftet wurden und in den See stürzten. Deshalb finden sich ja sowohl Land- wie auch Luft- und Wasser-Tiere in der Grube. Die Grube füllte sich mit Biomasse auf, das Wasser verdunstete, weiter Schichten Sediment bedeckten das Ganze und pressten alles zu Ölschiefer zusammen.

Jaja, ich bin weder Geologe noch Geograph; ich gebe das hier so wieder, wie ich es behalten habe. Da der Ölschiefer sehr wasserspeichernd ist, rund 40%, ist eine Bergung der Funde sehr aufwendig; lässt ma die Schieferplatten nur einige Stunden an der Luft,

getrockneter Ölschiefer

trocknen sie aus, zerreissen und der Fund ist zerstört.

So konnten die ersten schon um 1875 gefundenen Fossilien nicht erhalten werden; erst mit Erfindung des Epoxitharzes war eine schnelle Konservierung möglich, die das Bergen und spätere Freipräparieren in Museen zuließ.

Drei Institutionen dürfen in der Grube noch nach Fossilien graben, das Frankfurter Senckenberg-Museum, das hessische Landesmuseum und das Heimatmuseum Messel. Für Privatgräber und Hobby-Archäologen ist die Grube nicht mehr geöffnet, seit sie 1985 zum UNESCO Weltkulturerbe erhoben wurde.

Besucherzentrum Zukunft

Das Besucherzentrum ist, wenigstens laut Bauschild, seit 2009 fertiggestellt; allein die Realität bietet einen anderen Anblick: eine Baustelle und kein Besucherzentrum! Naja vielleicht klappt’s ja dann 2011 mit der Eröffnung;-))

In der Grube

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